Dating

Content Notes/Inhaltswarnungen:

  • Ich erwähne hier Sex recht oft, obwohl dies ein Dating-Profil ist, bei dem ich mich von gewissen Dingen in der Richtung auch abgrenzen möchte.
  • Ich reclaime einen Slur, den ich auf meiner Seite öfter als Label für mich verwende.
  • Emotionaler Druck, toxische Beziehungen, nicht sehr explizit.
  • Implizit: Ableismus, Slutshaming, Transfeindlichkeit.

Kein TL;DR, aber ein in der Hinsicht entlastender Hinweis vorneweg:

Ich denke schon, dass in diesem Profil eine Menge Dinge stehen, von denen ich mir wünschen würde, dass du, solltest du mich daten wollen, sie alle kennst, wenn du mit mir zum Zweck des Datens in Kontakt trittst. Kontakt zu zu vielen Leuten gleichzeitig stresst ja auch, – also mich zumindest. Sprich, es sortiert vielleicht einige aus, die was anderes erwartet hätten, hätten sie den Text nicht gelesen. Wenn diese ganze Textwand aber zu viel für dich ist (das kann zum Beispiel ja behinderungsbedingt sein) schreib mich gern an und sag mir, was für ein Format du brauchst. Audio, oder Text in Abschnitten, die einzeln zugesand werden, oder was für dich halt funktioniert.

Ich möchte allerdings durchaus Personen daten, mit denen ich viel tiefen Austausch habe (bei mir wird es eigentlich immer sehr schnell sehr deep). Wenn es also keinen Weg für eine intensive Austauschebene für dich gibt, dann ist das ganze Profil wahrscheinlich ohnehin nicht so relevant für dich.

Merkwürdiges, vielleicht ungewöhnlich langes Dating-Profil

Das Graustufen-Foto zeigt meine angewinkelten Beine, auf die Steine
in einer Reihe gelegt worden sind. Im
Hintergrund Meer, Berge und Wolken. Außerdem sind weniger zentral aber mittig
zwei Schiffe auf dem Meer.

Dating ist diese Sache, wo auf mich der Druck, ein Foto von mir zu posten, am höchsten aufgebaut wird. Leute wollten wissen wer ich wäre. Leute glauben, aus einem Gesicht Charaktereigenschaften ablesen zu können, oder irgendwas mit Aura oder sowas.

Oder es geht um sexuelle Attraktivität.


Für beide Fälle ist mir unlieb, ein Foto von mir zu posten:

  • Ich behaupte, der ganze Kram “Charaktereigenschaften aus Bildern von Gesichtern schließen” ist Müll, der zu einem großen Teil auch auf verinnerlichter Diskriminierung aufbaut. Diskriminierung, die mich teils betrifft, ich rante später dazu.
  • Ich bin mir selbst zu attraktiv für zu viele Leute. Es ist für mich eine stressige Erfahrung, dass ständig Personen in meinem Umfeld mich sexuell anziehend finden, mit mir sexuell interagieren möchten – eigentlich. Natürlich tun sie es nur, wenn ich es will, aber ich fühle mich dabei oft nicht genug. Hinzu kommt, dass mich einige Leute aus den “falschen” Gründen attraktiv finden. Wenn sie zum Beispiel ungefähr ausschließlich auf Frauen stehen, und mich deshalb attraktiv finden… ist mir das unangenehm, weil ich keine Frau bin.

Wenn du mich daten möchtest und mich dabei eher nicht sexuell anziehend findest, ist das also für mich ein Pluspunkt. (Aber auch kein Ausschlusskriterium, wenn doch. Ich selbst habe noch nie sexuelle Anziehung zu irgendwem empfunden.)

Ich jedenfalls poste hier Bilder von mir, von denen ich denke, dass sie eher etwas persönliches über mich aussagen als ein Gesicht.

Was suche ich?

Ich suche eine Langzeitbeziehung, und dafür eine Person

  • für gemeinsame, bewegungsreiche und ausdauernde Draußenaktivitäten, die außerdem Erleben oder Abenteuer mitbringen. Zum Beispiel Radtouren, Rudern, Wandern, Segeln. (Ich tanze auch sehr gern.)
  • für Deep Talk. Kommunikation mit mir wird üblicherweise sehr schnell sehr persönlich, tief, differenziert, sowas. Ich weiß auch nicht, wie das anders gehen soll, ich kann es nicht anders.
  • zum Kuscheln. Zum gegenseitig zärtlich zu einander sein.
  • zum Fallenlassen. Eine Person, mit der mir Kommunikation leicht fällt und bei der ich keine Angst habe, ich zu sein.
  • für Halt. Eine Person, die eine festere Komponente meines Lebens wird, mit der ich den emotional belastenden Kram ein wenig sortiere, den wir jeweils so mitbringen. Eine Person, bei der ich mich nicht schäme und denke, zu viel zu sein.
  • für kreativen Austausch. Ich möchte gern detailliert über Kunstprojekte reden.

Zum Zweck dieser Punkte wäre wahrscheinlich nicht verkehrt, nicht zu weit auseinander zu wohnen. Ich möchte sehr bald wieder in den Norden ziehen (Kiel, Lübeck, die Richtung). Ich würde aber auch sowas wie 1.5h irgendwo hinpendeln, gelegentlich.

Für mich ist außerdem wichtig, dass die Person anti-kapitalistisch ist und ein gewisses Maß an Energie in klimaneutraleres Leben und in Anti-Diskriminierung steckt. Ich verstehe, wenn das begrenzt ist, weil etwa die Löffel fehlen oder Behinderungen vorliegen, die die Hürden erhöhen. Aber ich kann nicht gut mit Menschen umgehen, die dahingehend eine Egal- oder Abwehrhaltung haben.

Optional:

  • Vielleicht ein bisschen Romantik, aber muss auch nicht sein. Ich bin selbst irgendwo auf dem aromantischen Spektrum unterwegs und weiß gar nicht, was das genau sein soll, aber wenn sich da was ergibt, kann das trotzdem schön sein.
  • Ich bin durchaus auch into Kink/BDSM (auch sex-freiem). Aber auch das ist eher was Nettes, was ich in einer Langzeitbeziehung nicht brauche und mir irgendwann vermutlich anderswoher holen kann.

Was möchte ich nicht?

  • Ich strebe eher nicht an, zusammen zu wohnen. Aber schließe es auch nicht völlig aus. Ich bevorzuge es, mich völlig zurückziehen zu können, und eher immer wieder längere Zeitabschnitte miteinander zu verbringen.
  • Ein zu starkes Ungleichgewicht in Sachen Support. Ich finde die Einstellung sehr gut und richtig, dass Geben und Nehmen nicht gleich sein muss, würde sogar soweit gehen, dass es absolut akzeptabel ist, wenn eine Person überhaupt nicht geben kann. (Ich behaupte, der Reflex, hier zu sagen “jede Person kann aber was geben” ist verinnerlichter Kapitalismus/Leistungsgesellschaft. Selbst wenn es stimmen würde, darum geht es nicht. Menschen haben verschieden viele Ressourcen. In einer guten Beziehung oder Gemeinschaft gleichen wir das aus. Punkt.) Aber ich bin selbst sehr low on spoons (habe wenig Ressourcen) und kann gerade keine Beziehung stemmen, in die von meiner Seite sehr viel mehr Energie reinfließt, als rauskommt. Nun ist es so, dass natürlich Menschen verschiedene Dinge verschieden viel Energie kostet. Wenn da ein Austausch stattfindet, wo ich was gebe, was der anderen Person schwer fällt, mir aber leicht, ist das natürlich super. Ich gehe außerdem sogar davon aus, dass eine Person, mit der ich mich gut verstehe, wahrscheinlich irgendwo deeply broken ist, so wie ich. Darüber passiert ja auch viel Bonding. So etwas ist schön. Für mich ist bei der Suche nur wichtig, dass mich die Beziehung auch aufbaut.

Wer bin ich?

Ich habe einen Haufen Label, von denen ich hier ein paar wesentliche, fürs Dating besonders wichtige wiederhole und etwas persönlicher einordne:

Polyamor

Ich gehe einigermaßen nach dem Modell Beziehungsanarchie. Dazu definiere ich für mich gerade mal ein paar Begriffe, – etwas freier, als sie sonst oft definiert werden. Aber das Ding ist, viele Leute definieren sie einfach verschieden und gehen davon aus, dass das Gegenüber schon wüsste, was gemeint ist. In meiner Art, Beziehungen zu führen, in der sexuelle Ebenen nicht zwangsläufig dazu gehören und auch die Beziehungen nicht intimer oder enger machen und auch keine Intimität oder Enge voraussetzen, ergibt es für mich Sinn, Begriffe weit zu fassen:

Beziehung:

Personen haben eine Beziehung miteinander, wenn sie schonmal miteinander interagiert haben.

Beziehungs-Layer:

Eine Kategorie von Interaktion, die Personen in einer Beziehung regelmäßig miteinander haben. Zum Beispiel könnte ich mit einer Person oft Geschichten vorlesen, dann hätte ich mit dieser Person ein Geschichten-Vorlese-Layer. Layer, die viele Leute beim Dating erwarten (ich eher nicht so), wären ein Romantik-Layer oder ein Sex-Layer. Layer können gröber oder feiner aufgeteilt werden, je nachdem, wie es gerade Sinn ergibt.

Date:

Ein Date ist ein nicht-berufliches Treffen.

Flirten:

Ungefähr: Humorvolles Herumgealbere, in dem viele sympathische/positive Gedanken an die andere Person stecken.

Zu meiner Art, polyamor zu sein, gehört, dass ich jeden Beziehungs-Layer ungefähr so behandle, wie die meisten Leute Freundschaften behandeln, oder wie manche Katzen sich entscheiden, zu kuscheln: Ich fange relativ spontan an, was sich gut anfühlt (wenn Konsens da ist), manches braucht länger zum Aufbauen, manches wird ausprobiert und hält nicht lang, manches kommt und geht, ungefähr alles wird mit den involvierten Personen abgesprochen. Ich gehe keine Beziehungen ein, bei denen von mir erwartet wird, dass ich mich in irgendeiner Weise darin einschränke, andere Beziehungen einzugehen.

Für mich funktionieren Layer unabhängig voneinander. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich einen Sex-Layer abbrechen kann (und wahrscheinlich früher oder später abbrechen werde, siehe später), ohne dass es die Freundschaft oder restliche Beziehung dahinter (was auch immer davon existiert) berührt.

Autistisch

Ich bin autistisch und das ist ein ziemlich wesentlicher Teil von mir. Es beeinflusst meine ganze Art zu denken, zu leben und vor allem wahrzunehmen.

Was bedeutet Autismus für mich?

Für mich und in meinem Fall (auch autistische Menschen sind nicht alle gleich und das Spektrum ist divers) würde ich Autismus so beschreiben: Mir fällt es schwer, mittelgrobe Muster zu erkennen. Beispiel: Wenn ich eine Weltkarte malen sollte, dann könnte ich 6-9 Blobs für die Kontinente malen, das wäre sehr grob. Ich kann auch Karten malen, wo ich gefühlt jeden Baum einzeln einzeichne (auf Weltskala wird das gedächtnistechnisch schwierig). Aber mir fällt es sehr schwer, einzuschätzen, welche Details ich für ein durchschnittliches (aka meistens recht neurotypisches) Publikum weglassen müsste. Für mich erscheinen die ganzen Details gleich wichtig.

Das führt zu so verschiedenen für Autismus klassischen Dingen:

Reizüberflutungsdinge:

Ich werde leicht reizüberflutet, sowohl von Informationen als auch von Sinneseindrücken. Sie erscheinen mir schließlich alle ungefähr gleich wichtig. Ich kann mich entweder komplett rausziehen und abschotten, oder ich muss aktiv sortieren: Dieses Geklapper in diesem Raum, das mir so laut vorkommt wie eine Alarmanlage, muss mich nun nicht so sehr in Alarmbereitschaft setzen wie eine Alarmanlage. Das passiert relativ bewusst. Mein Gehirn entscheidet nicht irgendwie reflexartig, ob ein Geräusch etwas Besorgniserregendes ist. Ich bin ziemlich schreckhaft deswegen. Damit ich sinnvoll an etwas arbeiten kann, schotte ich alle unerwarteten Geräusche durch Noice Cancelling oder Musik aus, und eine Person, die neben mich spaziert, nehme ich oft erst wahr, wenn sie direkt neben mir steht.

Gesichtsausdrücke:

Als ich das erste Mal gefragt wurde, ob ich autistisch sein könnte, stritt ich ab, mit der Argumentation, dass ich doch aus Gesichtern Emotionen lesen könne und das eher nicht so typisch für autistische Personen wäre. Zwar nicht, wenn ich eine Person noch nicht kenne, aber wenn ich Personen näher käme, würde ich mir in meinem Gedächtnis Datenbanken anlegen, in denen ich ihre Gesichtsausdrücke korreliere damit, was sie jeweils sagen oder für Emotionen (verbal direkt) ausdrücken, zum Beispiel als Reaktion auf eine Frage meinerseits. Ich würde dann Wahrscheinlichkeitsprofile anlegen: Dieser Gesichtsausdruck bei dieser Person bedeutet zu einer Wahrscheinlichkeit von so 80%, dass jene Person diese und jene Emotion fühlt. Damit interpretiere ich am Ende sogar bei so einigen (nicht bei allen) Leuten ihre Gesichtsausdrücke präziser als die meisten Menschen in meinem Umfeld. Nun… Das ist wohl eher nicht, wie neurotypische Personen das normalerweise machen, wurde mir erzählt. Aber so funktioniere ich.

Und zwar, weil ich eben nur das grobe Muster kann: “Dies ist ein Lächeln”. Oder das sehr feine, detaillierte: “Dieses präzise Lächeln der Person passiert meist bei diesen Gedanken”. Aber so etwas wie “Dies ist grundsätzlich eher ein trauriges Lächeln” oder so, kann ich nicht. Ich verstehe auch den Ausdruck “die Augen lächeln mit” nicht, ich kann mit solchen Dingen, die angeblich bei vielen Menschen der Fall sind, nichts anfangen. (Vielleicht auch, weil Augenkontakt eine nochmal komplexe Sache ist. Ich kann grundsätzlich Leuten in die Augen schauen, aber ich kann da nicht viel lesen. Ich lese eher von Mündern.)

Ironie, Subtext, all das Gedöns:

Ähnliches gilt für Ironie und Subtext. Ironie folgt bestimmten Regeln, aber sie sind oft nicht so eindeutig, sodass ich Ironie in vielen Fällen nicht erkenne. Ein Marker wie /s (für Sarkasmus) oder /joking oder (Ironie) hilft mir dabei. Subtext ist das, was in Texten zwischen den Zeilen steht. Ich kann auch Subtext zu einem gewissen Grad lernen, aber es gibt keine so klaren Regeln dafür, dass ich treffsicher wäre. Verlass dich also darauf, dass ich ernsthaft und mit positiver Intention deine rhetorischen Fragen beantworten werde (manchmal sogar, wenn du dazu sagst, dass sie rhetorisch sind, weil ich es erst hinterher mitkriege, weil ich noch nicht gewohnt bin, wie viele Fragen eigentlich rhetorisch sind. Ohne den Hinweis nehme ich etwa 85% oder so für voll. Warum würde jemand sowas rhetorisch fragen?…) Viele Memes überfordern mich.

Ich erkenne häufig Subtext nicht, und umgekehrt wird in das, was ich sage, häufig Subtext gelesen, was mich wiederum völlig überrascht. Dabei checke ich schon viele meiner Sätze.

Beispiel? Oben schrieb ich “Layer, die viele Leute beim Dating erwarten (ich eher nicht so), wären ein Romantik-Layer oder ein Sex-Layer”. Ich frage mich: Wird in “ich eher nicht so” reingelesen, dass ich beim Dating kein Sex- oder Romantik-Layer haben möchte? Oder lesen Leute korrekt, dass ich es nur nicht erwarte, dass es da ist, aber eventuell gut damit umgehen könnte, wenn es da wäre (wovon da eben nichts steht, weshalb das nichts darüber impliziert, ob ich damit gut umgehen könnte oder nicht)?

Für mich ist es extrem stressig, diesen Gedankenapparat permament mitlaufen zu lassen, was mir Leute da reinlesen. Wenn du also zum Beispiel da was anderes reingelesen hast, schließe ich Daten mit dir nicht grundsätzlich aus, aber ich erwarte durchaus für eine wohltuende Beziehung, dass von der anderen Seite in diese Kommunikationsproblematik mindestens genau so viel Energie investiert wird, wie von meiner Seite, und das ist nicht wenig… Oder, viel angenehmer wäre vermutlich für uns, wenn diese Kommunikationsbarriere aus welchen Gründen auch immer einfach weniger da ist. Weil du zum Beispiel in ähnlicher Weise neuroatypisch bist (in neuroatypisch sein fällt zum Beispiel auch ADHS) oder weil du dich darauf einfach gut einlassen kannst, ist beides okay.

Geschlechterkram

Muss ich das machen? Ich denke, ich muss wohl irgendwie.

Ich wünschte einfach, Geschlecht würde keine Rolle spielen. Aber über einen langen Zeitraum mit vielen Erfahrungen habe ich gelernt:

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass ich für (fast beliebige) haptischere oder deepere Beziehungen Männer interessant finde, die nicht mindestens ein wenig genderqueer in Richtung nicht-binär oder gendernonconforming sind, ist sehr klein. (Dabei spielt keine Rolle ob cis oder trans).
  • Bezüglich Menschen beliebigen anderen Geschlechts oder auch ohne Geschlecht habe ich bisher wenig, aber angenehme Erfahrungen, hier liegen mir keine bekannten Einschränkungen vor. Ich fühle mich besonders mit irgendwie queeren Menschen wohl, selbst wenn ihr Queersein nicht so ein dauerpräsentes Ding ist, oder sich auf Queerness bezieht, die oft leider weniger gehighlighted wird, wie zum Beispiel Asexualität oder Aromantik.
  • Ich bin keine Frau. Das ist so das Wesentliche, wo es extrem schmerzhaft für mich wird, wenn das für euch nicht klar ist. Nicht “weiblicher Körper”, nicht “weiblich gelesen” oder sowas. Am besten, ihr lest überhaupt nichts Geschlechtliches in mich rein und benennt meinen Körper auch nicht irgendwie geschlechtsspezifisch. Ich kann damit umgehen, wenn ihr, grob zusammengefasst, einen Vorzug auf meinen Typ Körper habt, solange ihr ihn nicht irgendwie mit Weiblichsein verknüpft.

Ich bin im Normalfall ziemlich wissenschaftlich unterwegs und habe Dinge durchdacht, bevor ich sie auf meine Homepage stelle. Hier gibt es einen kurzen Einblick in etwas weniger Durchdrungenes, was mein Gehirn so in diesem Zusammenhang ausspuckt, was ich nicht so richtig verstehe, wo es Unsicherheiten gibt. (Vielleicht lösche ich das später, ist schon recht persönlich.)

  • Mein Geschlecht ist gelb. (Gehirn, was willst du mir damit sagen?)
  • Ich würde gern vielleicht etwas ausprobieren, was lesbische Beziehung gelabelt werden könnte. Obwohl ich mich eher in der Gegend trans maskulin verorte. Aber der Typ Beziehung klingt einigermaßen richtig für mich, – ich verstehe nicht so richtig warum.

Wasser, Musik, Gedöns

Wasser beruhigt. Ich fühle mich ruhiger, sofort entspannter, wenn ich das Meer angucke (damit bin ich wohl nicht allein), wenn es regnet und stürmt (egal ob ich draußen bin oder drinnen), wenn ich kaltes Wasser auf der Haut spüre. Ich gehe gern in Kleidung schwimmen, fotografiere gern Fische. Ich bewege mich gern im Wasser, tauche gern.

Musik ist mein Atem. Musik hat mir beigebracht, zu fühlen. Musik lebt von Vergänglichkeit. Ich mag das Vergängliche. Ich mag das Gefühl von Schmerz, das Musik in mir auslöst. Musik ist für mich mit das Privateste. Wenn ich dir anvertraue, welche Musik ich höre, ist das ein Stück von mir, etwas Besonderes. Etwas, was ich definitiv nicht irgendwo veröffentlichen will. Etwas, was für mich viel, viel privater ist, als sexuelle Orientierung oder sowas. Aber etwas, worüber ich for connection crave.

Sonnenlicht tut weh in den Augen. Ich mag lieber, wenn Wolken über den Himmel fegen. Ich mag den Wind oder auch Sturm. Und Kälte fühlen.

Ich mag es, Natur und meinen Körper mit vielen Sinnen wahrzunehmen. Ich zelte gern, und bewege mich gern durch die Natur, durchs Meer, übers Meer, Berge hinauf, durch Wälder.

Ich mag Haare, jedes Haupthaar und auch die Abwesenheit davon. Ich mag die Bewegung von Haaren. Ich mag Haptik. Die Haptik von Haaren, oder die von Sand. Oder die von Wasser, wie es verschieden hart oder sanft über Haut streicht. Ich mag generell gern mit den Fingern erfühlen.

Ich tanze gern, bewege mich gern zu Musik oder im Flow. Ich mag Stimmen, und wie darin mehr als Text transportiert werden kann, sowas wie Stimmmimik. Ich singe gern und höre gern Leuten beim Singen oder Summen zu (ohne dass irgendwas davon gut sein muss).

Ich nerde gern herum, zum Beispiel über Mathematik, Programmieren oder Physik. (Ich kann nicht gut mit Zahlen und Größenordnungen umgehen.) Aber das muss ich nicht. Ich habe viele wertvolle Freundschaften, in denen ich nicht über Mathematik und so rede. Aber wenn doch mal wieder, ist das eben auch schön.

Was biete ich?

Neben den Dingen, die ich implizit schon in “Was suche ich” gelistet habe (es ging dabei um Austausch, von dem ich meinen Part natürlich biete), erzähle ich hier ein paar weitere Details zu mir.

Wenn du diese Seite hier liest, dann befindest du dich bereits auf meiner Homepage, die einen Haufen Kreativität von mir ins Internet bläst. Ich bin eine Person mit einem extrem hohen, kreativen Output. Musik ist mein Atem, ich schreibe zum Copen, ich zeichne, male, bastele, was mir so in die Hand fällt. Ich mache das nicht, um irgendwodrin gut zu sein (ich bin wohl ganz gut, meinen Leute, aber das ist nicht so wichtig…), sondern weil mein Gehirn nie still steht. Es generiert einfach die ganze Zeit Output, und wenn ich diesen Output nicht versuche, irgendwo in eine Richtung zu lenken, dann kommt halt einfach Nonsens raus, was auch nett sein kann. Aber wenn ich ein bisschen Energie übrig habe, dann sortiere ich diesen Output halt etwas, und dann kommen Dinge raus, die sehr produktiv wirken. Das ist nicht unbedingt ein Privileg, – ich werde dadurch auch oft für viel gesünder gehalten als ich bin, weil es nach außen oft so wirkt, als hieße es, ich hätte Energie übrig, und nicht, ich würde daraus verzweifelt versuchen, die Energie zu ziehen, die ich brauche –, aber es hat durchaus positive Aspekte an sich.

Zu Qualitäten, die ich an mir mag, gehört:

  • Alles Hinterfragen.
  • Differenzieren. Analysieren.
  • Meine Superkraft ist Geduld.
  • Menschen sie selbst sein lassen, Raum dafür schaffen können.
  • Nicht für Eigenschaften abwerten, für die Menschen oft ableistische, sanistische (oder anders -istische) Abwertung erleben. Identitäten einfach akzeptieren.

(Ich habe das Feedback oft bekommen, dass ich diese Qualitäten habe. Das heißt natürlich nicht, dass sich automatisch jede Person mit mir wohl fühlen würde. Unter anderem gibt es die besagten Kommunikationsprobleme, die mit so einigen Menschen nicht aufgelöst werden können.)

Meine persönliche AGB

Ich habe, weil meine Beziehungs-Führ-Eigenschaften so atypisch sind und es auf dieser Basis schon zu Verletzungen und viel Wut auf mich gekommen ist, weil Leute einfach implizit von irgendwelchen Dingen ausgehen, die zu Beziehungstyp xy eben einfach dazugehören würde, eine AGB dafür entwickelt. Ja, sowas was Leute oft überlesen, am Ende einen Haken setzen und dann gegebenenfalls trotzdem in Probleme rennen. Ich versichere mich vorm Eingehen einer eher körperlichen Beziehung, dass jeder Punkt von der Liste verstanden worden ist, sodass Leute im Vorfeld wissen, worauf sie sich bei mir nicht verlassen können, und ich wenigstens ein bisschen abgesichert bin und Erwartungshaltungen von vornherein ankratzen kann. Schaut zu diesem Zweck auch gern in die Artikel Ace Slut und I Am A Slut And I Have My Pride. Zwei Punkte sind auch dazu da, mich selbst zu schützen.

  1. Polyamor: Wenn ich eine Beziehung eingehe, bedeutet das nicht, dass ich am nächsten Tag nicht direkt auch eine weitere mit einer anderen Person eingehen würde.
  2. Unbeständig: Körperliche Beziehungen sind bei mir oft nicht von Dauer. Je sexueller, desto weniger. Kuscheln ohne Dinge mit Erregung dagegen halten oft länger, müssen sie aber auch nicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich sexuelle Interaktion nach den ersten zwei Malen einfach für den Rest der Beziehung abbreche, oder nur sehr gelegentlich welchen haben mag, wie in alle 1-2 Jahre. (Es kann auch sein, dass ich sexuelle Dinge öfter mag, ist erfahrungsgemäß aber eher selten.) Ich breche Sex-Layer meistens aus den Gründen ab, dass ich vor allem Interesse am Ausprobieren von Neuem habe, und weil ich lange asexuelle Phasen habe.
  3. Wissenschaft: Ich probiere gern neue Dinge aus, experimentiere gern herum und finde dabei heraus, ob ich etwas mag oder nicht mag, wovon ich ohne Ausprobieren keinen Plan hätte. Entsprechend kann ich im Vorfeld nicht unbedingt sagen, was ich mag, oder probiere auch manchmal gezielt etwas nochmal aus, was ich nicht mochte. Ich mache zum Beispiel Statistiken dazu, unter welchen Umständen ich Küssen auf den Mund mag (in den meisten Fällen mag ich es nicht). Das führt bei manchen Leuten zu einem Gefühl, objektiviziert zu werden.
  4. Unprivat: Ich unterhalte mich gern mit Menschen über alle möglichen Erfahrungen, und über sexuelle ähnlich offen wie über einen Ausflug oder sowas, weil es für mich eben nicht intimer ist. Das heißt nicht, dass ich über eine sexuelle oder romantische Beziehung einfach so öffentlich herumtwittern würde. Ich nenne außerdem selbst in meinem Umfeld nicht oft Namen. Aber es bedeutet, dass ich, auch wenn ich mich bemühe, Privates privat zu halten, gegebenenfalls von irgendeiner Sache, die ich konkret gemacht habe, in einem Umfeld von Herzwesen erzähle, dass es mir im Zweifel rausrutscht, ohne vorher genau zu fragen, wie privat ich das halten soll.
  5. Safe Words und Safe Gestures: Auch bei körperlicher Interaktion außerhalb von BDSM und Kink greife ich gern auf Safe Words zurück. Das mache ich vor allem, weil ich bei emotionalem Overload (der bei sowas oft passiert), meistens nicht mehr vollständig auf mein Sprach-Zentrum zugreifen kann. (Vielleicht was ähnliches wie selektiver Mutismus.) Aber einzelne, kurze Wörter, die dafür schon zurecht liegen wie “rot” oder “stopp” gehen oft noch. Wenn nicht anders abgesprochen gilt aber auch, wenn ich mich wegdrücke, dass ich losgelassen werden sollte, auch wenn es nur ein sanftes Wegdrücken ist. Das ist dann kein künstliches “ich will fester gehalten werden”-Spiel, sondern mein Rauswollen, wenn Worte nicht mehr gehen.
  6. Ängste davor, nicht schön genug, nicht attraktiv genug, oder sonst etwas in der Art zu sein oder nicht so empfunden zu werden, sind natürlich valid. Viele Leute erfahren Abwertung in dieser Richtung und es darf gern Raum geben, darüber zu reden, aber mit mir nicht während einer körperlichen oder romantischen Interaktion. Das setzt mich in dem Zusammenhang so unter Druck, dass ich dazu neige, Dinge mit mir machen zu lassen, die ich eigentlich nicht will. Gleichzeitig ist es ein Squick (sowas wie ein soft Trigger), der mich in Erlebnisse zurückkatapultiert, wo ich entsprechende Dinge mit mir habe machen lassen. Wenn eine Person so etwas mit mir macht, führt das nicht unwahrscheinlich zum unmittelbarem Abbruch sämtlicher körperlicher oder romantischer Interaktion, je nachdem, was es betrifft.

Was bezüglich Sex möchte ich eigentlich?

  • Ich möchte nicht dauernd oder viel Sex. Ich möchte schon gern mal wieder irgendwas Sexuelles ausprobieren. Das muss aber nicht in dieser Beziehung stattfinden, die ich suche. Wenn du also kein Interesse an Sex hast, super. Wenn du mal was ausprobieren möchtest, kommt es etwas drauf an, was, aber grundsätzlich auch sehr gut. Aber ich möchte, dass da keine Erwartungshaltung vorliegt.
  • Ich möchte, selbst wenn das nicht in sexueller Interaktion resultiert, nicht ständig begehrt werden.

Verlassensängste anderer

Ich lebe sehr im Augenblick. Ich habe ungefähr keine Verlustängste. Ich freue mich über eine Person, die gerade in meinem Leben ist, aber Leute kommen und gehen gegebenenfalls. Manche bleiben da ganz schön lange. Aber ich komme gut damit zurecht, wenn eine Person sich verabschiedet und ihrer Wege geht, mit der ich länger viel interagiert habe.

Ich selbst hatte die Eigenart, immer Mal was radikal in meinem Leben zu ändern und möchte gern diese Freiheit behalten, ohne dass ich dabei irgendwelche Leute psychisch zerrupfe. Und andere können viel erzählen, das wäre dann deren Problem und nicht meins. Technisch ja, aber ich weiß ja, diese Freiheit von mir kostet anderen. Damit kann ich umgehen, wenn die Beziehung nicht so eng ist, aber ich suche hier ja nach was engerem. Ich fände es also in Beziehungen entspannender, wenn keine Bindung passiert, die eine Person gefühlt abhängig von mir macht. (Das hat, soweit ich das verstehe, nichts mit Tiefe einer Beziehung zu tun. Eine Beziehung kann auch ohne eine solche Abhängigkeit beliebig intensiv werden, richtig?)

Pandemie-Einstellung

Ich nehme Kontaktbeschränkung sehr ernst. Die ersten Interaktionen wären ausschließlich online. Chat, Mail, Voice Call, da bin ich einigermaßen flexibel. (Wobei mir Twitter-DMs auf Dauer barriere-technisch schwerfallen, ich in Chat aktiver bin als in Mails, und ich mir kein Facebook, Zoom oder Whatsup anschaffen werde.) Die ersten Treffen wären vermutlich draußen.

Wovor habe ich Angst und welche Vorkehrungen treffe ich deswegen?

Mit zu meiner eingeschränkten Fähigkeit, Subtext zu verstehen, gehört, dass ich Redflags oft nicht wahrnehme. Ich bin schon in einigen toxischen Beziehungen gelandet.

Meine Vorkehrung dagegen: Manche Sätze, die ich erhalte, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mich bedrängen, würde ich anonymisiert an eine eng vertraute Person schicken und fragen, ob ich da Redflags übersehe. Ich sehe zu, dass ich dabei auf private Informationen Acht gebe, die ich auch unter solchen Umständen nicht weitergeben sollte, aber meine Sicherheit ist mir im Zweifel wichtiger.

Es gab in meiner Vergangenheit ein paar Menschen, die aus der tiefen Interaktion mit mir den Eindruck bekommen haben, dass sie für mich was sehr Besonderes wären und eine solch innige Beziehung für mich nicht Alltag sondern eher sehr selten sein müsste. Und während jene mit ersterem Recht haben – für mich ist jede Person, mit der ich mich tief austausche, tatsächlich sehr besonders –, stimmt letzteres nicht. Gespräche mit mir werden einfach sehr schnell deep, das sind nicht alle Menschen gewohnt, ich aber gewissermaßen schon. Auch wenn ich dabei ein unbeschreibliches Spektrum an Menschen kennenlerne, und jede dieser Einsichten wieder individuell, bereichernd und wertvoll ist.

Aus der Vorstellung, für sie bestimmt die ungefähr einzige Person mit so tiefem Austausch für mich zu sein, wachsen dann manchmal Hoffnungen und Mutmaßungen auf eine Zukunft, die ich so gar nicht geplant hatte. Gegebenenfalls fällt jene Person für mich überraschend dann aus allen Wolken, wenn ich mit ihr nicht die intensive Beziehung anfange, die sich für sie abgezeichnet hätte.

Meine Vorkehrung dagegen: Ich versuche, klar zu kommunizieren, aber grenze mich im Zweifel ab. Fragt auch gern bitte nach, ob eure Vorstellung des Beziehungsgedöns meiner entspricht.

Daten?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, und denkst, es könnte vielleicht interessant sein, mit mir Kontakt anzufangen deswegen, schreib mir gern eine Mail, oder eine DM auf Twitter. Mein Lieblingsformat ist discord (und ich habe auch signal oder jabber/xmpp) und würde nach ein bisschen Erstaustausch entsprechende Accounts weitergeben. Auch Big Blue Button oder Jitsi sind aus meiner Sicht gute VoiceCall-Formate.

Rant zu Foto-Druck auf Dating-Profilen

Hier noch der versprochene Rant:

Das häufigste Argument, das fällt, wenn Leute mir erzählen wollen, ich solle doch bitte ein Foto posten, ist, dass Leute wissen wollten, wen sie vor sich haben. Und das schreit in mir nach Vorurteilen.

Es gibt Leute, die aus Gesichtern schon ableiten, ob ihnen eine Person sympathisch ist. Das leitet oft fehl, sie sind voreingenommen und es ist ungerecht gegenüber Leuten, deren Aussehen aus Mustern fällt.

CN: Ableismus

In meinem Fall wird in mein Gesicht der neuroatypischen Mimik wegen oft irgendetwas hineingelesen, was ich nicht bin. Ich kann natürlich versuchen, bewusst Fotos zu machen, in die Leute nichts Unpassendes hineinlesen, aber das wäre dann nicht, wie ich bin.

CN: Transfeindlichkeit

Würde ich ein Foto von mir posten, würde ich außerdem viel häufiger misgendert werden, weil Leute ein Geschlecht in mein Aussehen lesen werden. Das Bild, das sie von mir bezüglich Geschlecht bekämen, ist meist mit Foto viel schwieriger zu dekonstruieren.

CN: Mehr Ableismus

Als nahezu gesichtsblinde, sehbehinderte Person, die in Gesichtern schwer Emotionen lesen kann, finde ich unangenehm, dass ich mich da auf andere mit Normwahrnehmung einstellen soll, und oft Bereitschaft fehlt, meine Wahrnehmung als gleichwertig zu sehen.

CN: Outungszwang

Druck dazu, Fotos zu posten, führt auch generell dazu, dass Leute, die eine gewisse Anonymität haben müssen (zum Beispiel, weil sie in ihrem Beruf nicht als etwa trans oder aktivistisch oder anderes geoutet sind), weniger Aufmerksamkeit bekommen. Ich finde es also, selbst wenn keines der Probleme auf mich zutreffen würde, auch solidarisch, wenn mehr Leute keine Fotos posten und wir normalisieren, dass das nicht notwendig ist.

Ein mit bunten Gelstiften gemalter Fisch, der mit einer umgebundenen
Brille, denn Ohren für Bügel hat er ja nicht, ein Buch liest.

Letztendlich denke ich, dass ein selbst gemaltes Bild viel mehr über eine Person aussagt, als ein Foto von ihrem Gesicht. Also: Hier habt ihr ein Bild, das ich tatsächlich mal für eine Dating-Plattform gemalt hatte, und, weil es ja kein Bild von mir wäre (nun, es ist von mir, ich habe es gemalt (ich weiß, was gemeint war, aber ich hätte echt gehofft, sie akzeptieren mein Schlupfloch halt, wenn sie sich nicht präzise ausdrücken)), von jener gesperrt worden bin. Danke für nichts und eine Menge Wut.


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